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Die Beckenboden-Revolution
Häufig zeigt sich dies durch belastende Symptome wie Inkontinenz beim Niesen oder Heben, Einschränkungen beim Sport oder das unangenehme Gefühl eines Fremdkörpers in der Vagina. Doch trotz dieser starken Präsenz und der enormen Auswirkungen auf Alltag und Lebensqualität wird das Thema Beckenboden viel zu oft unterschätzt – selbst von medizinischen Fachkräften. Und genau hier setzen die Gynäkologin
Dr. med. Rieke Hermann und Katharina Charissé, Trainerin für Prä- und Postnatal-yoga, in ihrem Buch „Die Beckenboden-Revolution“ an: Es räumt gründlich mit Halbwissen und Tabus auf. Konkret, ehrlich und praxisnah erklären die beiden Expertinnen alles, was Frauen über ihren Beckenboden wissen müssen – von der Schwangerschaft über die Geburt und die Zeit danach.
Schwangerschaft, Geburt & Rückbildung
Wie verändert sich der Beckenboden in der Schwangerschaft?
Dr. med. Rieke Hermann & Katharina Charissé: Unter der hormonellen Umstellung in der Schwangerschaft verändert sich der Beckenboden sehr stark. Die Muskulatur wird weicher und dehnungsfähiger, die Bänder und das Bindegewebe, das die Organe stabilisiert, wird ebenfalls elastischer. Damit werden die Organe im kleinen Becken mobiler.
Zusätzlich muss der Beckenboden mehr Last durch das zunehmende Gewicht des Babys tragen und auch das knöcherne Becken stärker stabilisieren, da der Halt durch die Bandstrukturen nicht mehr gegeben ist. Insgesamt besteht also eine Mehrbelastung auf ein schwächeres Gewebe.
In Ihrem Buch schreiben Sie, dass mehr als 50 % der Frauen, die vaginal entbinden, nach der Geburt Symptome einer Beckenbodenschwäche zeigen. Wie kann „frau“ dem entgegenwirken? Nicht nur Frauen, die vaginal entbinden, weisen häufiger Beckenbodenbeschwerden auf. Auch Frauen nach Kaiserschnitt haben häufiger zum Beispiel eine Harninkontinenz bei Belastungen. Präventiv können wir schon in der Schwangerschaft ansetzen, mit gesundem
Beckenbodentraining, welches nachweislich die Geburt erleichtert und auch das Risiko für Beschwerden nach der Geburt senken kann. Außerdem ist es entscheidend, sich gerade in den ersten Wochen nach einer Geburt zu schonen, damit sich das Bindegewebe ausreichend regenerieren kann. Nach dem Wochenbett ist dann ein regelmäßiges Beckenboden- und Coretraining wichtig.
Welche Präventivmaßnahmen gibt es?
Wichtig ist es, den Beckenboden nicht zu überfordern, in dem zu viel Gewicht getragen wird oder schon früh nach der Geburt High-Intensity-Belastungen ausgeübt werden. In den ersten drei bis sechs Monaten nach der Geburt empfiehlt es sich, ein Pessar zu tragen, um Organsenkungen oder auch einer langanhaltenden Inkontinenz vorzubeugen. Pessare sind medizinische Hilfsmittel, die ähnlich wie ein Tampon eingeführt werden und damit das Bindegewebe stabilisieren.
Der Beckenboden leistet in der Schwangerschaft echte Schwerstarbeit.
Wann sollte nach der Geburt mit der Rückbildung begonnen werden?
Schon in den ersten Wochen nach der Geburt können Atemübungen hilfreich sein, um die Wahrnehmung des Beckenbodens wiederherzustellen und auch die tiefe Bauchmuskulatur anzusteuern. Nach circa sechs Wochen hat der Beckenboden wieder eine Spannkraft, auf die ein muskuläres Training erfolgen kann.
Welche Übung empfehlen Sie am liebsten für das Beckenbodentraining?
Wir verstehen Beckenbodentraining nicht als DIE eine Übung, sondern eher als Grundlage, die man beherrschen und verstehen sollte: Wie steuert man den Beckenboden richtig an? Und wie lässt man ihn bewusst los? Das erlernt man am besten über Atemtechniken. Im nächsten Schritt geht es dann mit dem Training los. Unsere Lieblingsübungen kommen aus Yoga, Pilates und funktionellem Training. Ganz viele davon findet ihr in unserem Buch „Die Beckenboden Revolution“.
www.diemamacademy.de
Instagram: @die.mamacademy
Die Beckenboden-Revolution
Selbstbestimmt und stark durch Schwangerschaft, Geburt und dein Leben danach.
Autorinnen: Dr. med. Rieke Hermann, Katharina Charissé
Seitenanzahl: 352 Seiten
ISBN: 978-3-517-10386-0
Südwest Verlag








