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Enkelkinder: das Abenteuer der Herzenswerte
MOREFAMILY / Thema
Das Klischee der strickenden Oma im Schaukelstuhl hält sich in unserer Gesellschaft noch immer hartnäckig. Doch als dreifache Großmutter und Verantwortliche für die Seniorenarbeit in der Erzdiözese Wien weiß ich: Die Realität ist weitaus bunter. Wir Großeltern von heute stehen mitten im Leben – oft noch im Beruf, engagiert in Vereinen oder der Kirche, viele von uns sind reise- und abenteuerlustig. Unsere Lebensentwürfe sind dabei so vielfältig wie das Leben selbst, ob in langjähriger Ehe, verwitwet oder als Teil einer Patchworkfamilie.
Voneinander lernen und einander achten
Ein zentraler Pfeiler unseres Miteinanders ist die Bereitschaft aller Generationen, sich darauf einzulassen, gemeinsam zu leben und voneinander zu lernen. Das Fundament dafür ist gegenseitiger Respekt: Ich achte den Erziehungsstil der Eltern. Es ist entscheidend, dass wir in wichtigen Erziehungsfragen an einem Strang ziehen und uns nicht gegenseitig ausspielen lassen. Dies gelingt nur durch das ehrliche Gespräch in der Familie und klare Abmachungen, die von allen Beteiligten besprochen und eingehalten werden.
Wahre Werte schenken
Was ich meinen Enkeln mitgeben möchte, sind bleibende Werte, die kein Geld kosten:
- Zeit & Entschleunigung: Zeit ist wohl das wertvollste Geschenk. Bewusstes Nichtstun oder Wiederholungen sind ein wohltuender Gegenpol zum frühen Leistungsdruck. Ein Ausflug in den Wald, Lego bauen, basteln, Bilderbücher lesen, Kuchen backen – gemeinsam dürfen wir im Tempo der Kinder die Welt entdecken.
- Rituale & Feiern: Rituale geben Halt und Sicherheit im Alltag. Feste sind der nötige Kontrapunkt dazu – egal ob wir einen Namenstag feiern oder einfach nur, weil die Sonne scheint.
- Humor: Gemeinsam aus tiefstem Herzen zu lachen – auch über sich selbst – erleichtert das Leben ungemein.
Die Ohren spitzen: Zuhören als Herzensaufgabe
Ich erzähle meinen Enkeln auch von meinen Lebenserfahrungen, von meinem Glauben an Gott, in dem wir uns geborgen wissen dürfen. Doch wahre Verbundenheit entsteht vor allem durch das Miteinander-Reden und das Aufeinander-Hören. Manchmal bedeutet das für mich, mich zurückzunehmen und nicht zu viel von mir zu erzählen. Stattdessen möchte ich die Ohren spitzen, um wirklich zu hören, was meine Enkel mir aus ihrem Leben anvertrauen wollen!
Beatrix Auer, M.Ed.
Verantwortlich für Seniorenpastoral und -bildung in der Erzdiözese Wien
Oma von drei Enkeln










