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Ferien als Suchtfalle? Warum Kinder in den Sommerferien besonders viel Zeit vor Bildschirmen verbringen

MOREFAMILY / Thema

Sommerferien bedeuten Freiheit – aber auch deutlich mehr Bildschirmzeit. Warum gerade die schulfreie Zeit für Kinder zur Medienfalle werden kann und wie Eltern gegensteuern können.

Kinder am Handy
23.06.2026

Die Sommerferien stehen vor der Tür – und mit ihnen die langersehnte Auszeit vom Schulalltag. Ausschlafen, Freunde treffen, Abenteuer erleben und einfach einmal nichts müssen: Eigentlich sind Ferien die perfekte Gelegenheit, um neue Energie zu tanken. Doch genau diese freie Zeit kann für viele Kinder und Jugendliche auch zur Herausforderung werden.

Medienexperte Florian Buschmann, Gründer der Initiative OFFLINE HELDEN, warnt davor, den Einfluss von Smartphones, Tablets, Gaming und Streaming während der Ferien zu unterschätzen. Denn wenn Schule, Hausaufgaben und feste Tagesabläufe wegfallen, steigt oft automatisch auch die Bildschirmzeit.

Wenn aus Freizeit plötzlich Bildschirmzeit wird

Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters zeigt: An schulfreien Tagen verbringen Kinder und Jugendliche deutlich mehr Zeit vor Bildschirmen als während der Schulzeit. Gaming, Social Media und Streaming summieren sich auf durchschnittlich mehr als acht Stunden täglich.

Über die gesamten Sommerferien gerechnet kommen dabei mehrere hundert Stunden Bildschirmzeit zusammen – Zeit, die eigentlich für Bewegung, Erholung, Freundschaften und neue Erfahrungen gedacht wäre.

„Im Schuljahr sorgt der Alltag automatisch für Struktur“, erklärt Buschmann. „In den Ferien fällt dieser Rahmen weg. Was sonst nur am Wochenende passiert, kann plötzlich zum täglichen Standard werden.“

Warum Kinder in den Ferien besonders anfällig sind

Digitale Medien bieten Kindern etwas, das Ferien oft nicht bieten: Sofortige Unterhaltung, klare Ziele und schnelle Erfolgserlebnisse.

Während ein Computerspiel genau vorgibt, was als Nächstes zu tun ist, müssen Kinder ihre freie Zeit selbst gestalten. Das ist manchmal anstrengend – und genau deshalb greifen viele lieber zum Bildschirm.

Problematisch wird es, wenn andere Aktivitäten zunehmend an Bedeutung verlieren. Treffen mit Freunden, Familienausflüge oder sportliche Hobbys werden dann als störende Unterbrechung empfunden, weil das eigentliche Leben scheinbar online stattfindet.

Wenn das Tablet zum Babysitter wird

Viele Eltern kennen die Situation: Die Sommerferien dauern mehrere Wochen, während der eigene Urlaub oft nur einen kleinen Teil davon abdeckt. Betreuungslücken sind deshalb in vielen Familien Alltag.

„Das Gerät wird häufig zum Babysitter – nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil Eltern oft keine andere Möglichkeit haben“, sagt Buschmann.

Gerade deshalb sei es wichtig, praktikable Lösungen zu finden, die im Familienalltag funktionieren und nicht auf ständige Kontrolle setzen.

Ferien sollen erholen – nicht erschöpfen

Eigentlich sind Ferien dafür da, Schlaf nachzuholen, sich zu bewegen und Abstand vom Leistungsdruck zu gewinnen. Bei übermäßigem Medienkonsum passiert jedoch oft das Gegenteil.

Späte Gaming-Sessions, unregelmäßige Schlafenszeiten und ständige digitale Reize können dazu führen, dass Kinder am Ende der Ferien müder und unausgeglichener sind als zuvor.

Was Eltern tun können

Die gute Nachricht: Es braucht nicht unbedingt strenge Verbote.

1. Klare Bildschirmzeiten festlegen

Statt täglich über Minuten und Stunden zu diskutieren, empfiehlt Buschmann feste Medienzeiten im Tagesablauf.

Zum Beispiel:

  • Bildschirmzeit erst nach dem Mittagessen
  • Keine Geräte vor dem Frühstück
  • Medienfreie Familienzeiten am Abend

Klare Regeln schaffen Orientierung und reduzieren Diskussionen.

2. Langeweile zulassen

„Mir ist langweilig!“ – ein Satz, der viele Eltern sofort zum Handeln bewegt.

Doch genau dieser Moment kann wertvoll sein. Denn Langeweile fördert Kreativität, Selbstständigkeit und neue Ideen. Wer jede freie Minute mit einem Bildschirm füllt, nimmt Kindern die Chance, eigene Beschäftigungen zu entwickeln.

3. Offline-Aktivitäten bewusst einplanen

Kinder profitieren von wiederkehrenden Aktivitäten, die einen natürlichen Gegenpol zur digitalen Welt bilden:

  • Fahrradtouren
  • Schwimmbadbesuche
  • Wald- und Naturerlebnisse
  • Bastelprojekte
  • Brettspiele
  • Treffen mit Freunden
  • Gemeinsame Familienausflüge

Dabei müssen nicht alle Tage komplett durchgeplant sein. Oft reichen einige feste Termine pro Woche, um Struktur zu schaffen.

Fazit

Ferien sind keine Gefahr – sie können aber bestehende Mediengewohnheiten verstärken. Umso wichtiger ist es, Kindern auch während der schulfreien Zeit Orientierung zu geben.

Klare Tagesstrukturen, feste Bildschirmfenster und genügend Raum für echte Erlebnisse helfen dabei, dass die Sommerferien tatsächlich zur Erholung werden. Denn die schönsten Ferienerinnerungen entstehen meist nicht vor dem Bildschirm, sondern draußen, gemeinsam mit Familie und Freunden.

Hinweis: Die im Artikel genannten Studienzahlen stammen aus Deutschland und beziehen sich auf die dort üblichen sechswöchigen Sommerferien. In Österreich unterscheiden sich die Ferienzeiten, die beschriebenen Entwicklungen sind jedoch auch für österreichische Familien relevant.

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