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Kinder schreiben für Kinder

MOREFAMILY / Porträt

Lesen ist ein wunderbares Hobby. Aber die Geschichten selbst zu schreiben, ist etwas ganz Besonderes. Die 12-jährige Amanda ist leidenschaftliche Geschichtenschreiberin und eine ihrer Lieblingsgeschichten teilt sie mit family extra und somit mit euch. Viel Freude beim Lesen!

2 Mädels
22.02.2023

Tierfreundin

Hallo mein Name ist Nelly also Nele, Nele Schuber, und ich lebe mit meinen Eltern und meiner großen Schwester Stefanie in Waldbach das ist ein Dorf mit ungefähr 50 Einwohnern. Stefanie ist 13 und ich bin 10 Jahre alt. Wir haben ein großes Haus, einen großen Garten und einige Tiere. Eine braune Border Collie Hündin namens Cora und eine Goldene Retriever Hündin namens Trixie . Dann haben wir noch 5 Ziegen mit den Namen Fini, Flecki, Susi, Lilli und Luci. Und 2 Kaninchen - ein schwarzes mit dem Namen Molly und einen braun-weißes namens Amy. In unserem Dorf gibt es außerdem auch einen Reiterhof. Dort haben Steffi und ich jeder ein Pflegepferd. Diese Pferde gehören jedoch nicht einem Besitzer der keine Zeit für sie hat sondern sie gehören der Inhaberin des Hofes Tamara König. Sie hat mir und meiner Schwester reiten beigebracht und ist eine sehr nette und sympathische Frau. Mein Pflegepferd hat den Namen Flocke, es ist eine Schimmelstute und das liebste Pferd das ich kenne. Steffis Pflegepferd hat den Namen Charlie und ist ein Fuchshengst.

An einem schönen Sommertag (die Ferien hatten gerade begonnen) waren Steffi und ich gerade im Garten und brachten den Ziegen frisches Wasser. Da fuhr auf einmal ein graues Auto vorbei. Auf der Rückbank konnten wir ein Mädchen, das ungefähr in meinem Alter war und einen kleinen Jungen erkennen. Direkt nach dem grauen Auto fuhr ein Umzugswagen vorbei. „Umzugshelfer Krämer“ stand darauf. „Glaubst du, dass die hier im Dorf irgendwo einziehen?“, fragte ich meine Schwester. „Möglich wäre es“, antwortete Steffi, „Schließlich gibt es ja ein Haus in dem man einziehen könnte“. „Du meinst das Haus, aus dem vor einem Monate die Eders ausgezogen sind?“, fragte ich sie. „ Genau“, antwortete Steffi. „Wir könnten zum Reiterhof fahren und uns das mal ansehen, du weißt -doch von der Koppel hat man den perfekten Blick auf das Haus“, schlug Steffi vor. „Gute Idee, ich wollte sowieso noch mal zu Flocke schauen“, pflichtete ich meiner Schwester bei. Also sauste ich schnell zu unseren Eltern und sagte ihnen, dass wir zum Pferdehof fahren würden. Natürlich erlaubten sie es, denn es waren ja immerhin Ferien. Und Mama und Papa waren auch froh, dass wir in der Natur und bei den Pferden waren.

Schnell schwangen wir uns auf unsere Räder und radelten zum Pferdehof. Dort angekommen lief uns Tamara über den Weg, - naja es war ja auch ihr Hof. „Hallo ihr beiden“, begrüßte sie uns und leerte die voll beladene Scheibtruhe am Misthaufen aus. „Hallo Tamara“, grüßten wir zurück. „Wenn ihr Flocke und Charlie sucht- die sind auf der Koppel“, teilte sie uns mit. „Ja danke, da wollten wir sowieso hin“, bedankte sich Stefanie und wir machten uns auf den Weg hinter den Pferdestall, denn dort lag die Weide der Pferde. „ Ist da denn etwas Besonderes?“, rief sie uns hinterher. „Nö, nur eine schöne Aussicht“, rief ich zurück. Als Charlie uns kommen sah, kam er sofort zu uns getrabt. Flocke graste genüsslich weiter und erst als sie merkte, dass Charlie schon bei uns stand und gestreichelt wurde wendete sie sich von dem schmackhaften Gras ab und kam ebenfalls zu uns herüber. „Na meine Süße“, begrüßte ich sie und streichelte ihr über ihr weiches Pferdemaul. Sie schnaubte zufrieden und blies mir ins Gesicht. „Komm schon Nelly“, drängelte Steffi mich jetzt, „ Wir wollten doch schauen, ob diese Familie im ehemaligen Haus der Eders einzieht“. Ich lief also zu meiner Schwester und wir schauten zu dem Haus hinüber.

Das war ungefähr 300 Meter entfernt und wir konnten gut sehen, dass es die Familie aus dem grauen Auto war (es stand in der Einfahrt des Hauses) die jetzt mit den Leuten von „Umzugshelfer Krämer“ große und kleine Kartons ins Haus trug. Der kleine Junge lief anscheinend begeistert vom neuen Haus fröhlich in der Wiese herum, nur das Mädchen konnten wir nicht sehen. Vielleicht war sie ja im Haus. „Also ich glaube, so wie das aussieht, ziehen die zu 99 Prozent hier - also dort - und heute ein“, sagte Steffi nach einer Weile. „Ja, ich glaube auch“, sagte ich und wir verabschiedeten uns von Charlie und Flocke und fuhren dann zurück nach Hause.

Zu Hause angekommen brachte ich den Kaninchen ein paar Löwenzahnblätter und nahm Amy auf den Schoß. Während ich sie streichelte überlegte ich, wie die neue Familie im Dorf wohl sein würde. Da kamen Cora und Trixie auf mich zu gerannt und wedelten mit dem Schwanz. Ich setzte Amy zurück in den Stall und wuschelte den beiden durchs Fell. „ Na ihr beiden möchtet ihr was spielen?“, fragte ich die Hündinnen und sie bellten begeistert. Also nahm ich einen Stock und warf ihn so, dass sie ihn wieder holen konnten.

Ich weiß nicht wie lange ich mit ihnen gespielt hatte, aber es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Denn Cora und Trixie wurden und wurden nicht müde, man konnte den Stock so oft werfen wie man wollte und es war immer lustig mitanzusehen, wer das Stöckchen als Erste erwischte. Als es dämmrig wurde rief Mama zum Abendessen und ich und auch Cora und Trixie gingen ins Haus. Als die ganze Familie am Tisch saß und die Hunde ebenfalls ihr Abendessen bekommen hatten, erzählte Stefanie von der neuen Familie im Dorf. Mama hatte vor, ihnen gleich am nächsten Tag einen Besuch abzustatten, denn wir waren ja sehr gastfreundliche Menschen und hießen jeden herzlich willkommen, sagte sie immer. Am Abend schauten wir alle gemeinsam einen Film, denn es war Freitag und Freitag war Familienabend.

Dieses Mal entschieden wir uns für den Film „Vaiana“ - den hatten wir uns vor ein paar Tagen gekauft. Es war ein sehr schöner Film - wir mussten viel lachen und Mama hatte Popcorn gemacht (ich liebe Popcorn). Als der Film zu Ende war gingen Steffi und ich Zähne putzen und dann ins Bett. Mama und Papa blieben noch ein bisschen auf. Ich auch, ich setze mich auf das breite Fensterbrett in meinem Zimmer und schaute in den Nachthimmel hinauf. Es war eine wunderschöne klare Sternennacht. Eine Sternschnuppe sah ich und ich wünschte mir, dass die neue Familie nett war und dass wir uns gut verstehen würden. Dann krabbelte ich in mein Bett und schlief augenblicklich ein.

Am nächsten Morgen wachte ich um halb acht auf. Ich zog mich an und ging hinunter in die Küche. Mama und Papa saßen schon beim Frühstück als ich in die Küche kam. „Guten Morgen Nelly-Schatz, hast du gut geschlafen?“, begrüßte mich meine Mutter. „ Ja danke, ich habe gut geschlafen aber ich möchte noch nichts essen. Erst gehe ich die Ziegen füttern, mache ihnen die Stalltür auf, sodass sie auf die Weide können und dann bringe ich den Kaninchen ihr Frühstück“, sagte ich. „Ach Nelly, immer denkst du zuerst an die Tiere“, seufzte Mama. „Sie sind mir eben wichtig“, entgegnete ich und lief barfuß hinaus zu den Ziegen und Kaninchen. Erst als sie versorgt waren setzte ich mich an den Frühstückstisch. Doch gleich sprang ich wieder auf, denn ich hatte gesehen, dass Cora und Trixie kein Wasser mehr in ihren Trinknäpfen hatten. „Nelly, was ist denn nun schon wieder“, fragte meine Mutter leicht genervt. „Cora und Trixie haben kein Wasser mehr“, sagte ich, nahm die Hundenäpfe und füllte sie wieder mit Wasser, „Glaubst du etwa, die lasse ich so stehen?“. Meine Mutter verdrehte die Augen, mein Vater musste schmunzeln. Als auch Trixie und Cora versorgt waren setzte ich mich nun wirklich zum Tisch.

Zufrieden schnaufte meine Mutter. Nicht das man jetzt glaubt meine Mama mag unsere Tiere nicht, (die Ziegen waren sogar ihre Idee) -sie mag es nur nicht, wenn ich vom Tisch immer aufspringe und noch etwas machen muss bevor ich frühstücke.

Nach dem Frühstück beschloss ich mit Cora und Trixie ihre Morgenrunde zu gehen. Ich nahm also die Leinen (die wir nur brauchten wenn z.B.ein Hase oder Reh in der Nähe war) und machte mich mit den Hundedamen auf den Weg. Wir gingen über die große Wiese die Bauer Mai gehörte hinauf zum Waldrand und dort ein Stück entlang bis wir zu einer Bank kamen. Diese Bank steht zwischen 2 großen Fichten und ich sitze dort gerne und schaue mir die wunderschöne Landschaft an. Doch als ich heute mit Cora und Trixie dorthin kam, saß da schon wer. Es war…das Mädchen das mit seiner Familie gestern hierher gezogen war. Es sah mich nicht, denn es schaute nur auf seine Füße. „Hallo“, sagte ich freundlich und kam näher. Das Mädchen schaute auf. Es hatte brau-grüne Augen und lange hellbraune glatte Haare. „Hallo“, sagte sie schüchtern. „Du bist mit deiner Familie hier im Dorf eingezogen oder?“, fragte ich vorsichtig. „Ja…“, antwortete sie. „Ich wohne dort drüben im gelben Haus“, sagte ich und deutete mit dem Finger auf unser Haus das man von hier aus gut sehen konnte. Sie schaute in die Richtung und nickte dann. „Ich hab dich schon mal gesehen“, sagte sie jetzt. „Als wir in unser neues Haus gefahren sind sah ich dich mit einem anderen Mädchen in eurem Garten“.

„Ja das waren meine große Schwester Stefanie und ich als wir den Ziegen frisches Wasser gebracht haben, ich heiße übrigens Nele aber du kannst mich Nelly nennen“. „Ihr habt Ziegen?“, fragte sie. „Ja“, antwortete ich. „ Fünf Stück“. „Ohhhh Ziegen sind voll süß“, meinte sie. „Ach und ich heiße Lea, Lea Steiner und mein kleiner Bruder, den du vielleicht schon im Auto gesehen hast, heißt Lukas“, erzählte sie. „Schöne Namen“, sagte ich. „Naja, ich finde es gibt schönere, aber habt ihr denn noch mehr Tiere?“, fragte Lea. „Ja,wir haben noch zwei Kaninchen namens Amy und Molly und unsere Hunde Cora und Trixie“, erzählte ich und deutete auf Cora und Trixie die hinter mir lagen. Lea bemerkte sie erst jetzt. „Ohh sind die goldig, darf ich sie streicheln?“, fragte sie mich. „Ja natürlich darfst du - sie freuen sich immer über Streicheleinheiten“, antwortete ich und wir knieten uns beide zu den Hündinnen hinunter. „Hast du auch Haustiere“, fragte ich Lea nach ein paar Minuten. „Nein, meine Mutter und mein Bruder haben 2 Schildkröten aber ich wünsche mir so sehr einen Hund und jetzt wo wir aufs Land gezogen sind ginge das ja eigentlich“, erzählte sie. Ich nickte, ich konnte verstehen, dass Lea lieber einen Hund haben wollte. Denn Schildkröten machten ja nicht sehr viel. Also man kann eben nicht viel mit ihnen machen , das ist mit einem Hund ganz anders.

„Wärst du gerne in deiner alten Heimat geblieben?“, fragte ich jetzt. „Naja, schon, - wegen meiner besten Freundin-mit den anderen Mädchen kam ich nicht so gut aus .Und weil ich auf eine andere Schule muss, verstehst du ?“. Ja, das verstand ich. Ich würde auch nicht gerne umziehen wollen. „Anderseits bin ich froh, dass wir jetzt am Land leben und nicht mehr in der Stadt, - einen großen Garten haben und ich könnte vielleicht auch einen Hund kriegen denn da sind am Land ja bessere Chancen“, sagte sie. „Ja, das stimmt“, sagte ich. „Ein Hund hat es am Land auch wesentlich besser als in der Stadt, und ich bin sicher, dass es dir in meiner Schule auch gefallen wird“, meinte ich und kraulte Trixie hinterm Ohr. „Wenn du Lust hast, könnte ich dich hier im Dorf ein bisschen herum führen, damit du dich besser auskennst“, schlug ich ihr vor. „Wirklich, das würdest du tun?“, fragte sie mich leuchtenden Augen. „Ja sicher“, antwortete ich. „Meine Mutter sagt immer, wir sind ja sehr gastfreundliche Leute“, fügte ich noch hinzu und lächelte. „Ja das wäre super, danke!“, freute Lea sich. „Gut, wann hättest du denn Zeit?“, fragte ich. „ Ähm würde es heute Nachmittag um viertel zwei gehen?“, fragte sie. „Ja, das wär super“, antwortete ich. „Gut, dann bis später - ich muss jetzt nämlich nach Hause - noch ein paar Kartons auspacken und mein Zimmer herrichten.“ Sie verdrehte die Augen und ich musste lachen. „Dann bis nachher, soll ich dich abholen?“, fragte ich noch. „Ja das wäre nett“, antwortete sie. „Ok, dann bis nachher“, verabschiedete ich mich und wir gingen beide nach Hause.

Daheim angekommen schaute ich zu erst nach ob alle Tiere genug zu trinken hatten, denn es war ein heißer Sommertag. Dann ging ich zu Mama in die Küche und erzählte ihr von Lea. „Das ist aber nett, dass du ihr angeboten hast, ihr das Dorf zu zeigen“, meinte Mama begeistert. „Ich werde der Familie am Nachmittag einen Besuch abstatten“, sagte sie. Dann half ich Mama die Erdbeeren für die Nachspeise zu schneiden und anschließend brachte ich Amy und Molly das Grünzeug, das übrig geblieben war. Darüber freuten sie sich sehr. Ich blieb gleich im Garten und ging zu den Ziegen. Als ich bei ihnen auf der Weide stand, kamen sie mir gleich alle entgegen in der Hoffnung, dass ich einen Leckerbissen für sie mit hatte. „Tut mir leid ihr Lieben, jetzt hab ich nichts für euch“, wehrte ich lächelnd ab. Ich setzte mich auf einen großen Stein im Gehege und Susi legte ihren braun-weißen Kopf auf meine Knie. Ich streichelte sie und zufrieden brummte sie. Ich war in Gedanken nun bei Lea. Sie war ein sehr nettes Mädchen und ich war froh, dass sie nun hier lebte, denn bei uns im Dorf gab es außer mir und Stefanie nur zwei Kinder. Das waren Magdalena(5) und Luis(10). Luis war der Sohn von Herrn und Frau Mai und er konnte ganz schön nerven. Ich freute mich jedenfalls auf das Treffen mit Lea und überlegte, wo ich sie als erstes hin führen sollte.

Nach dem Mittagessen kurz nach eins machte ich mich auf den Weg zu Lea. Als ich vor ihrer Haustür stand wollte ich gerade klingeln da ging die Tür schon auf und Lea stand vor mir. „Hallo Lea“, begrüßte ich sie. „Hallo Nelly“, sagte sie. „Gehen wir los?“, fragte ich. „Ja, wir können los“, sagte sie fröhlich und schloss die Haustür hinter sich. „Gut dann komm, zuerst gehen wir zum Reiterhof“, sagte ich. „Oh ja, da wollte ich sowieso hin, wir sind ja quasi Nachbarn“, meinte sie glücklich. Am Pferdehof zeigte ich ihr alle Pferde und vor allem aber Flocke und Charlie. „Ohh… Pferde sind so schöne Tiere, ich glaube, ich werde meine Eltern fragen ob ich auch Reitunterricht nehmen darf“, überlegte sie. „Ja, das wäre toll, dann könnten wir zusammen ausreiten“, meinte ich.

Während der ganzen Tour wurden wir zwei uns immer vertrauter und schlossen Freundschaft. Als wir schon ziemlich am Ende waren zeigte ich ihr noch einen meiner Lieblingsplätze. Er war im Wald, leicht zu finden auf einer kleinen Lichtung. Dort stand ein Hochstand. Im Sommer kam ich gern hierher weil es erstens schön kühl im Wald war, zweitens hatte man eine wunderschöne Aussicht vom Hochstand und drittens konnte man manchmal Rehe ganz nah beobachten. „Wow, ich kann verstehen, dass das ein Lieblingsort von dir ist“, meinte Lea begeistert und wir kletterten auf die Leiter und in den Hochstand. Man konnte durch die Bäume hindurch ein paar Häuser von Waldbach erkennen und wir beobachteten eine Spechtfamilie. Nach einiger Zeit stiegen wir dann wieder herab und unsere Tour war beendet. Lea kam aber noch auf einen Sprung mit zu mir um sich unsere Tiere anzusehen. Von den Ziegen wollte sie gar nicht mehr weg, aber auch Molly und Amy hatten es ihr angetan.

Zum Schluss tauschten wir noch schnell unsere Handynummern aus und dann ging sie nach Hause. Ich war glücklich, denn ich hatte eine neue Freundin die Tiere genauso so sehr mochte wie ich. Mama war inzwischen auch bei Familie Steiner gewesen und hatte sie herzlich willkommen geheißen. „Eine sehr nette Familie“, sagte sie beim Abendessen. „Ja, also Lea und ich verstehen uns auch voll gut, die Dorfrunde hat ihr echt gefallen und ich glaube, morgen werden wir uns auf jeden Fall wieder treffen“, erzählte ich fröhlich. „Das ist schön“, meinte meine Mutter. Nach dem Essen durften Steffi und ich noch ein paar Folgen einer Serie anschauen. Papa las daneben Zeitung und Mama erledigte den Abwasch. „Mädels, hört euch mal das an“, sagte Papa auf einmal. Wir wandten uns vom Fernseher ab und blickten Papa fragend an. „Hier steht, dass in einem Tierpark ganz in der Nähe ein Roter Panda ausgekommen ist und noch nicht wieder gefunden wurde“, las er vor. „Oh wie schrecklich, der arme Panda kennt sich in unseren Wäldern doch gar nicht aus - noch dazu, wenn er vielleicht im Tierpark groß wurde, dann weiß er ja nicht mal wie er sich vor Feinden schützen soll“, meinte ich erschrocken. „Ja, aber die fangen ihn schon wieder ein“, wollte Papa mich beruhigen. Ich nahm ihm die Zeitung aus der Hand und überflog die Zeilen über den Panda; sein Name war Fu.

Als ich bereits in meinem Zimmer war, schrieb ich Lea von diesen Zeilen über den Roten Panda Fu. Anschließend recherchierte ich im Internet über den Roten Panda. Dann legte ich mich schlafen. Am nächsten Tag wachte ich um sieben Uhr auf weil mein Handy läutete. Es war Lea. Also hob ich ab. „Lea es ist sieben Uhr, normalerweise würde ich noch eine halbe Stunde schlafen“, begrüßte ich sie. „Äh ja, Entschuldigung, ich bin eben ein Frühaufsteher, aber weshalb ich anrufe - ich bin beim Hochstand und ich glaube, ich hab‘ den Roten Panda gefunden!“, berichtete sie. „Was!“, sofort war ich hell wach. „Warte kurz, ich ziehe mich an und komme sofort zum Hochstand!“, rief ich ihn den Hörer; dann legte ich auf. So schnell ich konnte zog ich mich an, schrieb auf einen Zettel, dass ich am Hochstand war, nahm mir schnell einen Pfirsich (ich hatte Hunger) und dann rannte ich zum Hochstand.

Zum Glück war Sommer und es war schon hell. Als ich zum Hochstand kam, wartete dort wie erwartet Lea auf mich. „Guten Morgen“, begrüßte sie mich. „Morgen, wo ist er?“, keuchte ich, denn ich war so schnell gekommen wie möglich. „Da oben am Ast sizt er“, sagte Lea und deutete mit dem Finger auf den Ast einer Fichte. Tatsächlich - dort oben saß er, der rote Panda! „Sieht ziemlich Fu aus“, meinte ich. Lea sah mich fragend an. „Fu bedeutet auf chinesisch Glück“, erklärte ich ihr. „Ich hab gestern noch ein bisschen im Internet recherchiert“, fügte ich noch hinzu. „Na, dann haben wir ja ein Fu das wir Fu gefunden haben“, meinte Lea lachend. „Ja, aber die Frage ist - was machen wir jetzt?“, überlegte ich. „Naja, er muss zum Zoo zurück, also müssten wir ihn irgendwie einfangen und dann dort irgendwo anrufen“, meinte Lea und sah mich fragend an. „Ok, angenommen wir wüssten wo wir z.B. anrufen müssten, aber wie kriegen wir ihn von da runter ohne dass0 er davonläuft oder klettert?“, fragte ich. „Vielleicht brauchen wir so eine Art Falle?“, überlegte Lea. „Naja, Fallen mag ich eigentlich gar nicht“, sagte ich. „Aber, vielleicht geht es mit so einer mit der man Marder oder so fängt“, überlegte sie weiter. „Da müsste man dann nur mehr einen Köder rein legen und hoffen, dass er runter kommt, er muss ja auch nur hinein krabbeln und hinter ihm macht die Falle zu und wir tun ihm nicht weh.“ „Weißt du ob im Dorf jemand so eine Falle hat?“, half Lea mir überlegen. Ich dachte nach. „Ja, das klingt nicht so schlecht und ich bin mir ziemlich sicher, dass Bauer Mai solche Fallen hat“, meinte ich. „Gut“, sagte Lea, „Dann borgst du so eine Falle von Herrn Mai aus, ich passe auf das Fu nicht verschwindet und wir brauchen noch einen Köder“. „Was fressen Rote Panda denn?“, fragte Lea. „Bambus, Wurzeln, Beeren, Mäuse, Eier und junge Vögel aber auch Blätter und Zweige“, zählte ich auf. „Okay, wir bleiben bei Beeren, Blättern und Zweigen oder?“, fragte sie. Da konnte ich nur zustimmen. So schnell ich konnte fing ich also wieder an zu rennen. Zum Glück war der Hof von Familie Mai nicht weit weg. Dort verhandelte ich mit Herrn Mai und versprach, die Falle so bald wie möglich zurück zu bringen. Er legte sie mir auf einen Bollerwagen damit ich sie nicht tragen musste (hätte ich nie geschafft). So schnell es mit dem Leiterwagen ging, lief ich zurück zur Lichtung. Fu war Gott sei Dank noch da. Er hatte nur den Baum gewechselt auf dem er nun saß und sein Fell putzte. Er war ja so süß!

„Super, dass du eine gekriegt hast“, sagte Lea als sie die Falle sah. „Jetzt brauchen wir noch den Köder“, sagte ich und wir pflückten saftige Blätter, junge Äste und etwas tiefer im Wald fand ich auch Heidelbeeren. Das alles legten wir jetzt in die Falle und dann kletterten wir auf den Hochstand um alles zu beobachten. „Glaubst du, er kommt runter?“, fragte Lea unsicher. „Der hat vielleicht einen Bärenhunger, weil er sich nicht auskennt und ich könnte diesen Beeren nicht widerstehen“, meinte ich. Wir warteten ein paar Minuten, dann hatte der Rote Panda die Leckerbissen entdeckt und kam langsam den Baum herunter. Vorsichtig näherte er sich der Falle. Lea und ich drückten die Daumen. Auf einmal machte das Spechtpärchen von gestern einen lauten Radau

und Fu flüchtete ins Dickicht. Mist! Angespannt warteten wir und es kam uns wie eine Ewigkeit vor bis der Panda wieder unter dem Gebüsch hervor kam. Nun konnte er nicht widerstehen, er krabbelte tatsächlich in die Falle hinein! Hinter ihm machte die Falle zu und er konnte nicht mehr entkommen. „Nelly! Wir haben ihn!“, Lea fiel mir um den Hals. „Ja“, - erleichtert stiegen wir hinunter und sahen uns den Roten Fu genauer an. „Haben wir ein Fu“, meinte Lea und wir mussten lachen. Aber das hatten wir doch wirklich, oder?

„Jetzt müssen wir die Falle mit Fu vorsichtig auf den Leiterwagen heben“, ordnete ich an. „Puh, hoffentlich ist er nicht zu schwer“, meinte Lea. Vorsichtig nahmen wir die Falle in die Hände und hievten sie auf den Leiterwagen. Leicht war er ja nicht, denn männliche rote Pandas konnten 3,7 bis 6,2 Kilogramm wiegen. Als die Falle mit Fu im Leiterwagen stand konnte es losgehen. Wir wollten zu mir nach Hause. Dort mussten wir dann (oder Mama oder Papa) die Telefonnummer des Zoos aus dem Fu kam, heraussuchen, damit wir mitteilen konnten, dass wir den Ausreißer wieder eingefangen hatten. In unserem Garten saßen Mama, Papa und Steffi gerade beim Frühstück als wir mit dem Leiterwagen angerollt kamen. „Was ist denn mit euch los“, fragte Papa erstaunt, „und was habt ihr da in dem Leiterwagen, - wem gehört der überhaupt?“. „Dieser Leiterwagen ist von Bauer Mai und was wir da drin… kommt her und seht selbst“, antwortete ich mit einem Grinsen im Gesicht. Da sprangen sie alle von den Stühlen auf und kamen zu uns. „Das ist ja ein roter Panda“, rief Stefanie verblüfft. „Genau“, sagte Lea, „und es ist zu 100 Prozent der, der aus dem Tiepark ausgebrochen ist!“. „Also ich weiß nicht, wie ihr das gemacht habt, aber ich bin stolz auf euch“, meinte Mama und wandte sich gleich wieder zu dem roten Geschöpf um. Nachdem Fu von allen begutachtet worden war, setzte Papa sich vor den Computer und suchte die Telefonnummer des Tierparks heraus. Er wurde bald fündig und erreichte den Zoodirektor. Der war überglücklich, dass wir Fu gefunden hatten und versprach, in einer Stunde zu kommen um ihn abzuhohlen. Lea rief ihre Eltern an und berichtete von Fu. Sie und der fünfjährige Lukas kamen natürlich und schauten sich den Panda begeistert an und Leas Eltern waren genauso stolz auf uns wie auch meine Eltern. Lea und ich brachten Fu in einer kleinen Schüssel etwas zu trinken. Vorsichtig stellten wir es ihm in die Falle hinein. In der nächsten Stunde kam ein Wagen vom Zoo. Der Zoodirektor und zwei weitere Mitarbeiter verluden Fu vorsichtig und der Zoodirektor bedankte sich herzlich bei uns.

Als Dankeschön bekamen wir eine Belohnung. Das war ein Gratis-Zoobesuch für unsere beiden Familien mit Sonderführung. War das nicht super! Wir beschlossen, den Besuch am 11. Juli zu machen, denn da hatte Lea Geburtstag und das war doch ein schöner Geburtstagsausflug.

Am nächsten Tag stand es in der Zeitung. „Zwei Mädchen finden roten Panda – Zooausreißer wieder zurück!“ und ein Foto von mir, Lea und Fu war auch dabei. Mama schnitt den Bericht gleich aus und hängte ihn an die Pinwand im Wohnzimmer. Um drei Uhr ging ich zum Reiterhof. Als ich in die Halle kam hatte Lea gerade Reitunterricht. Ich winkte ihr zu und sie winkte zurück. Sie ritt auf Johnny, einem Haflinger der für die Anfänger war. Währenddessen ging ich zu Maria, der erwachsenen Tochter von Tamara und kaufte 3 Reitgutscheine. Die waren für Lea zum Geburtstag. Als Lea fertig war, begleitete ich sie noch nach Hause und dann ging ich auch. Ein paar Tage später war Leas Geburtstag. Wir trafen uns um halb acht bei der Bank unter den zwei großen Fichten. Ich hatte Trixie und Cora mit, denn ich wusste ja wie sehr Lea Hunde liebte. „Hallo Geburtstagskind“, begrüßte ich sie fröhlich. „Hallo Nelly, hallo Cora und Trixie“, freute sie sich. Wir sezten uns auf die Bank und ich fragte: „Willst du dein Geburtstagsgeschenk von mir jetzt schon?“ . „Ja bitte, bei den anderen muss ich nämlich noch bis nach dem Frühstück und nach dem Zoobesoch warten“, antwortete sie. Ich gab ihr die Reitergutscheine und sie freute sich sehr. Sie wollte nämlich so schnell wie möglich gut reiten können. „Danke Nelly !!!“, bedankte sie sich. „Hab ich ein Fu, so eine Freundin wie dich zu haben“. Ich lächelte. Nach einer Viertelstunde gingen wir nach Hause und am Nachmittag fuhren unsere zwei Familien gemeinsam in den Tierpark. Dort wartete der Direktor des Zoos schon auf uns.

Zuerst kamen wir an den Affen vorbei, dann durften wir zu den Seelöwen und bekamen ein Bussi und ganz zum Schluss waren wir bei Fus Gehege angelangt. Der saß in einem Baum und schlief und im Nebengehege entdeckten wir ein rotes Pandaweibchen. „Ihr Name ist Luana, sie hat vor kurzem zwei Babys bekommen und wir haben sie Nelly und Lea getauft“, berichtete der Direktor. Lea und ich strahlten, und wir bekamen die Babys sogar zu Gesicht. Am Ende der Führung bekamen wir im Zoocafe noch jeder ein großes Eis und dann fuhren wir wieder nach Hause.

Zu Hause hatten Leas Eltern Tom und Margret noch eine Überraschung für ihre Tochter. Sie gaben Lea das Ende eines roten Fadens. „Eine Schatzsuche?“, fragte Lea erstaunt. „Folge nur dem Faden“, antwortete ihre Mutter geheimnisvoll. Alle kamen mit. Meine Mama, mein Papa, Steffi, Lukas und Herr und Frau Steiner. Der Faden führte über eine Wiese, in den Wald über einen kleinen Hügel um das Haus der Steiner und endete vor dem Gartenhaus. War das lustig. Aufgeregt machte Lea die Tür des Gartenhauses auf. Und darin war……ein Welpe!!

Es war ein Australian Shepherd! „Ist der süß“, Lea wusste nicht was, sie sagen sollte. „Für dich mein Schatz, weil du dir schon so lange einen Hund wünscht“, sagte ihre Mutter und nahm sie in den Arm. Lea setzte sich zu dem Hund auf den Boden und streichelte ihn. „Es ist ein Junge“, falls du ihm einen Namen geben willst“, sagte ihr Vater lächelnd. „Ich nenne dich Timmy“, sagte Lea zu dem süßen Welpen und nahm ihn vorsichtig in den Arm. Sie ging mit ihm aus dem Gartenhaus heraus und dann gab es Geburtstagstorte.

 

Über die Autorin:

Name: Amanda Zimmermann
Geburtstag: 29. Juli 2009
Hobbys: Reiten, Rad fahren, mich um Tiere kümmern, Geschichten schreiben
Lieblingsfarben: blau & grün
Lieblingstiere: Pferd, Reh, Schaf (und eigentlich fast alle Tiere :))
Lieblingsessen: Suppe, Pizza, Nudeln, Eis
Lieblingsbücher: Die Schule der magischen Tiere, Silber, Die Edelsteintrilogie

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